Samstag, 26. März 2011

Chau Doc und Phnom Penh

Hallo geehrte Leser, 

endlich, endlich sitzen wir in einem wunderbaren Guesthouse in Phnom Penh...der Hüttenschlafsack liegt ungenützt im Rucksack...wir liegen ohne Scheu und Ekel im Bett....einfach wunderbar. Es riecht frisch, nicht nach Pisse, es ist kein Grunzen oder Stöhnen aus den Nebenzimmern zu hören. Zwar müssen wir jetzt 5$ mehr pro Nacht löhnen, aber es ist das Geld auch wahrlich wert. Hab ich den schwarzen Marmor im Bad erwähnt? Nein....na dann...schwarzer Marmor im Bad :-)

Ihr seht, wir können wieder digital und live flirten, es geht also wieder aufwärts...und das mit strammen Schritten. Bevor ich hier mehr als lobend auf Phnom Penh eingehe, möchte ich noch einige Worte über Vietnam im allgemeinen und Chau Doc im speziellen verlieren.

Vietnam als Reiseland ist von Hanoi über Sapa und Halong bis hin nach Saigon nicht sonderlich schwer zu bereisen. Open Tour Busse und co machen es eigentlich kinderleicht. 
Ab Saigon wird es dann schon etwas schwerer....wer natürlich eine Mekong-Delta Tour aus Saigon aus bucht, der hat auch wieder alles in einem Paket und wohl keine Sorgen, abhängig hier natürlich wieder an der Summe des investierten Kapitals. You get what you pay for. 
Wer allerdings auf eigene Faust durch das Mekong Delta tingelt, der wird unvergessliche Eindrücke erleben. Unverdorbene, schockierende, lustige und weniger erheiternde Momente. Die Reise durch eine in Teilen noch nicht touristisch erschlossene Gegend war wirklich aufregend und hat uns mit die schönsten Momente beschert, ich denke da insbesondere an Can Tho und die Gegend um Ha Tien.
Ist Vietnam ein Reiseland für Asieneinsteiger? Nein, sicher nicht. Denn, auch dieses Gerücht stimmt, die Vietnamesen können schon enorm unfreundlich wirken/ sein. Fast schon patzig. Dieses Verhalten kann verschreckend wirken, siehe unsere Erlebnisse in Hanoi. Aber, und ich denke, dass ist wohl überall der Fall....durch einige Brocken der Sprache lockert sich nahezu jedes Steingesicht. Aber eben nur "nahezu". Es ist einige Male vorgekommen, dass wir nicht beachtet, schlichtweg komplett mit Ignoranz gestraft wurden. In Lokalen wurden wir nicht bedient, weil wir Westler sind. Das gleiche an Märkten und Ständen. 
Hat das unsere Freude an Vietnam getrübt? Nein, ganz sicher nicht. Denn dazu hatten wir zu viele, sehr schöne Momente. Und ja, Glotzer und Moserer gibts überall, gelle, liebes Deutschland :-)

Vietnam hat noch einen Vorteil: Es ist billig, richtig billig. Thailand ist dazu teuer, richtig teuer. Wir hatten Tage in Vietnam, an denen wir von weit unter 20€ zu zweit MIT Hotel gelebt haben. Mit 500€ pro Monat kann man schon gut leben. Und, was wichtig ist: Wir hatten da Hämmer wie den Sprachkurs dabei. Ohne die Kosten für den Sprachkurs und co ist es durchaus schaffbar von 400€ pro Monat inkl. Unterkunft als Westler zu leben. Drunter auch schaffbar? Ja...aber dann ist es eher eine Qual.

Schwimmende Häuser in Chau Doc
Vietnam im allgemeinen, ja, super, Chau Doc im speziellen....leicht sonderbar? Ja, leicht sonderbar, auf alle Fälle. Die ersten zwei Tagen waren recht anstrengend, da vor allem die Cyclo- und Mopedfahrer energisch um Kundenaufmerksamkeit geworben haben. Zwei Lokale haben zu verstehen gegeben, nicht für Westler zu kochen. Naja, dafür gab es eben Banh Mi satt :-)

Unserer bewährten "Wir halten uns auch auf der Reise fit" Strategie folgend, haben wir durch hilfreiche Tipps des Hotelpersonals ein Fitnessstudio erlaufen. Und wir wurden sehr freundlich empfangen, wie eigentlich in jedem Studio (Sport verbindet?). Durch entsprechenden Einsatz erarbeiten wir uns recht schnell Respekt...und Interesse. Diesmal war es Micha, die reges Interesse geweckt hat. Und zwar bei einem Mönch. Ja, einem Mönch. Anscheinend trainiert da ne ganze Gruppe, denn letztes Mal wurde ich um Hilfestellung gebeten...von einem Mönch, diesmal wurde Micha ganz interessiert von einem Mönch ausgefragt, fast schon beflirtet.
Die Studiobesuche haben wahrlich einige sehr lustige Anekdoten produziert.

Wie auch immer:
Tam Biet, Vietnam! Servus und mach´s gut.

Hallo Kambodscha, süa sie dei Phnom Penh, 

wir begrüssen Dich.

Nach einer fünfstündigen Fahrt mit dem Schnellboot sind wir relativ erholt in Phnom Penh angekommen. Hier können wir wirklich für diese "Tour" werben, denn die Zollformalitäten an der Grenze waren sowas von entspannt: Mit einem leckeren Kaffee in einer Art Park sitzend hat unser Guide den Rest erledigt. 20 Minuten später hatten wir alle wieder unsere Pässe mit dem Visum in der Hand und es ging weiter. Einen derart reibungslosen Ablauf haben wir nun wirklich nicht erwartet.
Die Fahrt auf dem Schnellboot war unspektakulär, eine Bootsfahrt eben. Hatten wir in der letzten Zeit ja des öfteren.
Angekommen sind wir an einem Pier....logischerweise...und da standen sie dann auch schon, die lieben und geschäftstüchtigen Taxler. Allerdings warens sie eigentlich ganz friedlich, auch wenn es erstmal einer eindeutigen Ansage unsererseits bedurfte.
"my friend...look at my hotel, very nice, cheap, cheap"...welcher Asienreisende kennt diesen Spruch nicht? Klar, dass die Provisionshotels alle cheap, cheap waren, aber auch das konnte recht eindeutig durch uns geklärt werden. Mit zwei weiteren Reisenden haben wir dann eine Taxifahrt durch Phnom Penh unternommen...Hoteltour 2011, diesmal Phnom Penh.
Tuk Tuk - Moped mit Anhänger
Das dritte Hotel hat dann augenscheinlich gepasst...bis zur Nacht. Denn da stieg uns dann der Pisse-Geruch in die Nase...und diese olfaktorischen Signale sind wahrlich nur schwer zu ignorieren. Uuuuhhh...olfaktorische Signale...ja was is na des? Harr harr harr, googelt mal. Ich hab´s von Micha :-)
Auch das Badezimmer in wenig stilsicherem Gelb war nicht ohne, sodass wir dann nach zwei Nächten ausgezogen sind und jetzt eben ein Zimmer mit schwarzem Marmor haben. Hurra, wohlfühlen und ins Bett kuscheln.

Erste Eindrücke von Phnom Penh

Die ersten Eindrücke von Phnom Penh sind sehr positiv. Unserer subjektiven Einschätzung ist die Stadt sauberer und organisierter als alles was wir bisher gesehen haben. Englisch, in Vietnam ja meist nur rudimentär vorhanden, spricht hier anscheinend jeder...und zwar gut.
Teil des Königspalasts in Phnom Penh
Kleiner Schwank gefällig? Ich brauchte Kohletabletten. Beim Stadtrundgang in einer Nebenstrasse an einer Apotheke halt gemacht: "Doooooo yyyooouuuuu spppeeeeaaaakkk ennnnggllliiissshhhh?", leitete ich das Gespräch vorsichtig und langsam fragend ein. Theatralische Pause seitens der jungen Apothekerin...."Yeeeessss, I speaaaakkk eennnngliiishh ppprreetttyy gooodd". Untermauert wurde diese humorvolle Einlage von einem enormen Grinsen.1:0 für die Apothekerin.

Weiterer positiver Eindruck: Die Tuktuk´ler...zart fragend, nicht aufdringlich. Oder sind wir etwa schon so abgehärtet, dass wir die Jungs schon so einschätzen? Wie auch immer, wir haben keinen Grund zur Klage.

Aber, nach den ersten Tagen kommt uns Kambodscha doch um einiges teurer vor als Vietnam. Teilweise sogar sehr viel teurer. Warten wir mal gespannt, wie sich das alles noch entwickelt.

Neben einer Vielzahl von Kleinigkeiten, die ja immer beim Erlaufen einer Stadt auffallen, war ein "Highlight" der Besuch der Killing Fields nahe Phnom Penh und des S-21 in Phnom Penh.
Puuuhhh. Mein lieber Mann, das ist wirklich nichts für zarte Gemüter. Was an diesen Orten passiert ist, das will, so glaube ich, wohl niemand von uns verwöhnten Touristen so genau wissen. Es muss wahrlich die Hölle auf Erden gewesen sein.
Gedenkstätte in den Killing Fields
Wer die Hintergründe genau wissen will, der bemühe bitte Wikipedia und Google. 
Erschreckend für mich war vor allem eins: Mein ersten Worte Vietnamesisch habe ich von einem etwa 60jährigen vietnamesischen Arbeitskollegen gelernt. Er hat mir immer wieder von seiner Zeit als Soldat in Kambodscha erzählt, von Bäumen, an deren Rinde Haare, Schädelknochen und Gehirnreste hingen, von furchtbaren Gerüchen und brutalem Dschungelkampf. Hab damals nicht viel damit verbinden können, aber jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Vor allem, weil er ab 1979 in Kambodscha war...
Die Bilder im Gefängnis S-21 zeigen teilweise genau die Szenen, die er mir beschrieben hat. Da wurde es mir aber mal ganz anders. 
Das Kriegsmuseum in Saigon hat ja schon mal einige sehr intensive Bilder und Dokumentationen, die Killing Fields und S-21 stehen dem hinsichtlich Intensität in nichts nach. Fast schon verstörend. 

Viele Grüsse aus Phnom Penh


Alex und Micha

Kommentare:

  1. In was für einem Stadtteil habt ihr das Hotel gefunden?
    Vielleicht seit ihr ja echt von Vietnam total behärtet, ich fand die Tuktukfahrer in Kambodscha am aufdringlichsten von allen asiatischen Ländern wo wir waren. Aber wir waren nicht in Vietnam. Vor unserem Hotel standen immer min 8 Fahrer und sind einem teilweise die Straße nach gelaufen ob wir nicht mit ihm fahren wollen.

    viel spaß noch in PP. Ich lag dort krank im Bett und nicht soviel gesehen von der Stadt.

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  2. Hallo Sarah,
    wir sind im Cyclo-Hotel...kennst ja :-)
    Das ist wirklich gut. Solltest Du nochmal da sein, nimm Zimmer 7, das ist das mit dem schwarzen Bad.

    Trotz sehr intensiven vier Monaten in Vietnam hab ich mir gleich am zweiten Tag Durchfall eingefangen. Andere Hygiene hier. Aber ich bin zum Glück nicht so dermassen erschlagen wie in Phu Quoc.

    Die Taxler sind schon frech, aber eigentlich ganz zurückhaltend, wenn man eben energisch nein sagt. Haben wir gleich mal auf Khmer gelernt und schon ist Ruhe. Aber scheint wirklich so, Chau Doc hat uns noch mal so nen kleinen Schuss Härte verliehen. Da gehens richtig gut ab, die lieben Taxler :-)

    Liebe Grüsse


    Alex

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