Dienstag, 26. April 2011

Kampot, Kep und Sihanoukville

Hallo liebe Leser,

es ist doch einige Zeit vergangen...Wochen, die sehr aufregend, anstrengend und lehrreich waren. Wochen, die wir in Deutschland verarbeiten, denn wir sind seit einigen Tage wieder in unserer dörflichen Kleinstadt in Bayern. Und es ist wunderbar hier...

Die letzten Tage, eher wohl die letzten zwei Wochen waren schon sehr zäh. Ausgebrannt, ich denke, dieses Wort umschreibt es am besten.

"Ja, was soll denn das heissen: Ausgebrannt...Ihr seit ja seit sechs Monaten im Urlaub", könnte mancher geneigte, aber unwissende Leser meinen.

"Ja, Ausgebrannt, Sattheit, Völlegefühl", so meine Antwort.

Das Reisen, der ständige Ortswechsel, Neuorientierung vor Ort, schwerer Rucksack bei tropischer Hitze, ggf. noch Ärger durch Verlaufen, das zehrt an den Nerven und an der Substanz. So haben wir für uns die 4/ 2 Regel aufgestellt: Vier Wochen auf Achse und Tour, zwei Wochen eine Art Mini-Ruhestand an einem schönen Ort. Dann kann es wieder weitergehen. Alles andere ist nur hektisches Abhaken der einzelnen Orte/ Gegenden.
Soweit eine kurzer Abriss unserer glorreichen Erkenntnisse. 

Aber was haben wir denn in Kampot und nach Kampot noch alles gemacht?


Ja, Kampot...Kampot ist ein eigentlich verschlafenes Nest, aber genau das ist es, was Kampot für uns sehr reizvoll machte. "Charmevoll", das ist die wohl beste Umschreibung. Chillig und entspannt. Wäre ein idealer Ort für einen Mini-Ruhestand. So haben wir unseren Weiterreiseplan auch sehr schnell verworfen und haben Kep mit dem TukTuk erkundet. Am Vortag haben wir zwei sehr reiseerfahrene Brüder kennengelernt und mit diesen beiden dann ein Tuktuk Richtung Kep gechartet. War sehr spassig...25km...im Anhänger, gezogen von einem untermotorisierten Moped.
Nach knapp einer Stunde waren wir dann auch schon am Ziel....im mehr als beschaulichen Kep, das ganz grob nur aus einer Strasse am Meer besteht. An eben dieser Strasse gibt es, wenn man sich etwas weg vom Krabbenmarkt entfernt, wunderbare Strandküchen. Der rein optische Eindruck lässt einem die Haare zu Berge stehen und mir schossen unweigerlich die Vorgänge "Leberkäse in Phu Quoc" in den Kopf.  Aber, mit gewissem Wagemut, haben wir Platz genommen:



Wie man auf den Bilder erkennen kann: Es war ein geniales Essen. Der Platz war genial, die Hängematten waren genial, die Gesellschaft war genial und das Essen ebenfalls.
Ich kann den Besitzern nur raten, die Karte grundsätzlich zu überarbeiten. In einem westlichen Restaurant wäre folgende Beschreibung passend:
Fangfrischer, gedämpfter Fisch mit einer Füllung aus Zitronengras und grobem Kampotpfeffer auf Glasnudel-Bohnenbett.
In der Karte war folgendes zu lesen: Steamed fish.

Weiter gab es bei diesem Mahl noch Krabbe mit Kampotpfeffer und ein Kilo Shrimps.Im dritten Bild ist die Folge zu sehen: Gespannte und fast überdehnte Bäuche, die unbedingt in der Hängematte geschaukelt werden wollten. 
"Cast away" im Bus nach Sihanouk
Wir hatten ja in Siem Reap einen kleinen Durchhänger....nur um die einen Tag in den Tempeln zu verbringen waren vier Tage geistige "Vorbereitungszeit" nötig. Das sagt eigentlich schon alles. Ähnlich ging es uns in Kampot...wir haben es nicht auf die Bergstation geschafft. Wobei,  ich bin deswegen nicht böse. Man muss nicht alles sehen, das als "interesting" oder "awesome" angepriesen wird. Vor allem nicht, wenn es 25$ pro Person kostet. 

So haben wir die gesparten Dollar in ein Busticket investiert und sind am nächsten Tag Richtung Sihanoukville aufgebrochen. Wir haben verschiedene Geschichten über Sihanoukville gehört, die von Schulnote "sehr gut" bis "ungenügend" variierten. Was tut man in so einem Fall? Am besten eine eigene Meinung bilden. Das taten wir und waren erstmal schockiert...30$ für ein Hütte, die die Bezeichnung "Hütte" auch wahrlich verdient hat?! Selbst für das gerade stattfindende Khmer New Year  war dieser Preis stark überteuert.
Schönes Kambodscha

Aber Micha "Ich-finde-das-beste-Zimmer-weit-und-breit" hat ihrem Beinamen alle Ehre gemacht und eine wunderbare Hütte für 15$ pro Nacht gefunden. Mit Meerblick. Sauber. Und trotz des Khmer New Year.
"Schon wieder ein Fest zum neuen Jahr...?" Ja, das war dann unser drittes Silvester innerhalb von vier Monaten. Hurra. Persönlicher Silvesterrekord.
Leider konnte dieses Silvesterfest den ersten, nicht gerade positiven Eindruck von Sihanoukville nicht revidieren. Der Hauptstrand ist zugepflastert mit einer langen Zeile aus Hütten, deren Besitzer sich gegenseitig mit lautstarker Musik zu übertrumpfen vesuchen. Dazu kommen noch unzählige Bauvorhaben in Strandnähe, die halbfertig aus dem Boden ragen. Es drängt sich unweigerlich die Frage auf, ob diese Betonruinen noch irgendwann fertiggestellt werden?
Meerblick in Sihanoukville
Neben dem Problem "Müll" gibt es wohl eine florierende Sextourismus-Industrie für den älteren Herrn: Im Supermarkt findet man neben dem erfrischenden Atembonbon, Gleitgel und der übersichtlichen Kondomschachtel "Adonis" noch Viagra und Cialis für wenige Dollars. Oh wei. In dieser Komplett-Kombination haben wir das jetzt auch noch nicht gesehen.

Ich weiss nicht, inwieweit wir Sihanoukville mit der Beschreibung "Ballermann in Kambodscha" Unrecht tun, aber das ist leider unser Eindruck. Da traben dann wieder vermeintliche Strandschönheiten am Strand entlang, denen irgendwie das Bikinioberteil abhanden gekommen ist. Nicht weit entfernt protzen dick bebauchte Herren, die kaum mehr gerade aus laufen können, mit ihren sehr jungen Damen. Irgendwie kommt bei uns da keine wirkliche Entspannung auf.

Aber, auch in Sihanoukville gibt es schöne Ecken. Als Beispiel möchte ich hier OtresBeach nennen und zeigen. Es ist ein super Fleckchen Erde, allerdings mit einem Nachteil: Sandfliegen. Arme Micha, denn sie hat diese Mistviecher wirklich angezogen wie Honig die Ameisen. Das Bild wurde während der Abheilungsphase aufgenommen, hat erschreckend ausgesehen!

Otres Beach, Kambodscha
Böse Sandfliegen am Otres Beach
Um eines ganz klar zu stellen: Kambodscha ist ein sehr beeindruckendes , ein sehr schönes Land. Wir haben bei den Busfahrten wunderbare Landschaften gesehen und unterwegs/ vor Ort sehr nette Menschen getroffen. Allerdings ist es abzusehen, dass dieses Land mit Anlauf und Karacho gegen die Wand fährt. Jedes schöne Eck wird an "Investoren" verkauft. Diese "Investoren" haben wohl nichts besseres im Sinn, als ein 5*-Ressort  mit Golfplatz aufzubauen. Tolle Idee. Umweltgerechte Nachhaltigkeit? Wer braucht das schon....ich denke da nur an Bokor Hill. Man kann nur den Kopf schütteln und hoffen, dass der Primärwald, den es hier augenscheinlich noch gibt, durch ein Wunder gerettet wird. Angkor Wat...verhökert, Killing Fields....verhökert..., Bokor Hill...verhökert, Strandabschnitte...verhökert. Ich verstehe es nicht, aber wen interessiert schon meine Meinung.

Nun ja, wir sind trotzdem mit guter Laune weitergereist...und zwar nach Bangkok, der letzten Station der Reise. Unser Flug ging am 19.04. und wir wollten noch drei Tage in Bangkok zum Einstimmen auf die Abreise sein. Aber es stand noch eine 15 stündige Rückreise mit dem Bus an...

Eingeklemmt in einem Mini-Bus ruckelten wir dann 5h bis zur Grenze. Die Formalitäten gingen wirklich schnell und schon waren wir wieder in Thailand. Insgesamt brauchten die Thais nur drei Stunden, um nen 50 Mann Bus abzufertigen. Ist wirklich gut.
Weitere sieben Stunden später waren wir dann wieder in der Khao San Road, der Bus hat uns direkt dort abgeladen. 

Hier hat es begonnen, hier endet es....ich denke, wir sind nicht die ersten, denen es so geht. Sechs Monate auf Reise, jetzt, nach einigen Tagen in Deutschland irgendwie noch unglaublich. Sechs lange Monate....was war da nicht alles los. Manches ist schon verschwommen, aber durch das Sichten der Bilder kommen die Erinnerungen wieder hoch.
Abreise, Zugfahrten, Bartwachstum, Vietnam, Sprache, Unentschlossenheit, Hitze und schwerer Rucksack, Rückreise nach Deutschland.

Die Ankunft in Deutschland war genial...auch, weil wir vor nichts geflüchtet sind. Wir sind sorgenfrei gestartet und sorgenfrei wieder angekommen. Den Kopf voller Ideen, mit 1001 Eindrücken. Wir werden sehen, was daraus wird. Nochmal los? Ja, aber erst nach einer Auszeit in Deutschland :-) und dann, wenn wir unser Gepäck auf weit unter 10kg gedrückt haben. 

Die Erkenntnisse, die wir während der Reise gewonnen haben, sind teilweise so umfangreich, da braucht es einige Zeit, um es zu verarbeiten.

Was wir aber jetzt schon vermissen, auch ohne grosse Aufarbeitung:
...unsere Tjam und Loam, die Strassenküchen, das Gurren der Geckos, die Einfachheit der Kleidung, Rasierfreiheit, das Obst, die Freiheit des Spotts, der Geruch der Wärme, Rauschen des Meers, frühe Sonnenaufgänge, schnelle Sonnenuntergänge, das Rattern des Zugs, kleine Betten, feuchtes Klima, kochende Ladyboys, lachende Kinder, riesige Büffel, gegrillte Spinnen, die nicht bezahlbare Freiheit, schaukelnde Hängematten, nie klingelndes Handy...

Auch wenn es ein abruptes Ende ist:
Der Blog bleibt offen und wird nicht geschlossen...weitere Berichte werden folgen.


Viele Grüsse aus dem beschaulichen Bayern


Al und Mi





Kommentare:

  1. Wilkommen zurück!Toller Bericht. Kenne das Gefühl nur zu gut, man will nichts hören und sehen von irgendwelchen Sehenswürdigkeiten. Andere denken toll jeden Tag essen gehen,dabei will man nur ein Schwarzbrot mit Extrawurst. (Wobei wir in Shianoukville sehr gutes Schwarzbrot gefunden haben es gibt einen deutschen Bäcker)
    Shianoukville war bei uns auch schon recht am Ende, wäre noch gern nach Kambot gefahren aber wir haben es nicht geschafft. Wart ihr am Serendipity Beach?
    Wir haben uns einen Tag ein Moped geliehen und sind zum Otres Beach gefahren,sehr schöner noch sehr ruhiger Strand. Doch leider später erfahren,dass jemand den ganzen Strand gekauft hat alle Hütten sollen abgerissen werden und ein rießen Hotel gebaut :(

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  2. Hallo Sarah,

    schön wieder von Dir zu lesen!

    Ja, genau das ist es auch bei uns gewesen: Brot und Wurst :-) Das ist auch das, was die letzten Tage als Nahrung gedient hat. Danke an die deutsche Metzgerzunft :-)

    Wir waren am Serendipity Beach in einer Hütte am Berg und hatten da dann eben Einblick in die Szene, um es so zu sagen. Aber zum Baden sind wir dann zum Ortres, wie Du. Da wars dann wirklich super, ruhig und ohne Ballermänner. Wir hatten nur Pech mit den Sandflöhen, die haben Micha arg zugesetzt. Sie schaut aus, also ob sie in einem Bienenkorb gefallen ist. Aber geht mittlerweile auch weider besser.

    Und eben die von Dir beschriebene Verkaufslaune ist zum Haare raufen... wir haben mit Einheimischen gesprochen, einfach um mal ein Preisgefühl wegen eines Hauses zu bekommen. Unglaublich: Ein billiges Haus in Strandnähe kostet 500.000 US-$. Weil eben die Investoren so reindrücken und alles kaufen, was nicht niet- und nagelfest ist. Ich sehe da schlimmste Chaweng und Lamai- Strände entstehen. Alleine was mit Bokor Hill geplant ist, da kann man den Kopf nur an die Wand schlagen. Schütteln reicht da nicht mehr.


    Viele Grüsse


    Alex

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  3. Hallo Aelx! welcome back to good old germany... also ich habe mich bisher nach jedem großem urlaub wie ein schnitzel wieder auf deutschland gefreut. da weiß man es dann erst mal wieder richtig zu schätzen wie gut man es hier bei uns hat.
    wenn du mal in erlangen wieder bist, gib bescheid - dann gehen wir mal wieder ein bierchen trinken - wir haben uns ja schon lange nicht mehr gesehen... VG, Ralf

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  4. Schade das ihr wieder in Deutschland seid ;)

    Ich hab dem Reiseblog sehr gern gelesen! Hab jetzt
    auf alle Fälle gute Anregungen für den nächsten Urlaub.

    gruss
    Fabian

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  5. Hallo Ihr Beiden!
    Es war und ist schön von Euch zu lesen. Wahrscheinlich habt Ihr Euch auch vorgenommen, in Deutschland hin und wieder einen Beitrag in den Blog zu setzen (so, wie ich es auch machen wollte...). Aber es ist dann doch wieder erstaunlich, wie schnell man wieder daheim angekommen ist, seinen gewohnten Dingen nachgeht und so einen Blog hinter sich lässt.... man man man, wir haben auch schon wieder so viel unternommen - aber dann irgendwie doch nicht veröffentlicht. So geht es Euch ja vielleicht auch... Würde mich sehr freuen, von Euch etwas zu hören oder zu lesen.
    Und ich hoffe, Ihr tragt noch viele tolle Erinnerungen mit Euch herum. Die Tage mit Euch in Saigon waren jedenfalls super!

    Wir hören voneinander :-)
    viele Grüße,
    robert

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