wir sind immer noch in Siem Reap und uns geht es weiterhin sehr gut.
Die letzten Tage waren, naja, sagen wir mal: Ruhig. Sehr ruhig. Irgendwie waren wir von Kaffee, Chillen und heissem Wetter so gefesselt, das wir nahezu bewegungsunfähig waren. Ja, ja, ja, schwer ist das Leben des Reisenden. Siem Reap hat aber wirklich was beruhigendes. Wir können es nicht in Worte fassen, aber es ist hier wirklich sehr entspannt und das liegt garantiert nicht an den Happy Pizzen. Für die nicht Wissenden: Eine Pizza wird ja auch gewürzt...mit Oregano zum Beispiel. Hier in Kambodscha würzt man anders, denn hier verwendet man Gras.
"Aber grosser, bärtiger Alex, Gras schmeckt doch nach gar nichts..."
"Nein, Timmy, ich meine ja auch nicht das von Morgentau bedeckte Gras, das die Kühe auf der Alm zusammen mit den saftigen Bergkräuter fressen, deren Aroma Du dann in der sehr leckeren Almbauernmilch wiederfindest, nein, Timmy, ich meine Marihuana"
Es ist hier nichts besonderes, denn diese Restaurants gibts eigentlich in jeder Stadt, in der sich auch Touristen - zumindest kurzfristig - niederlassen.
Aber, welche Erleichterungen würde es geben, wenn man solche Pizzen in Deutschland reichen würde? Man stelle sich ein eskalierendes Meeting vor, die Fronten verhärtet, die Stimmung schlecht und kurz vor dem Kippen, dennoch bekommen die Industrieschauspieler auch mal Hunger. "Business Lunch mit Pizza?", so wäre meine Frage: "Wäre das für alle Teilnehmer ok...?" Ich könnte mir vorstellen, dass die Stimmung nach der Mittagspause entspannter wäre.
Naja, ich denke, das reicht erstmal für einen kurzen Ausflug in die Khmer-Küche, Abteilung "Tourist-Style".
Da wir ja langsam eher in die Altersgruppe "frohe Rentner unterwegs" einzuordnen sind, geben wir uns nicht dem Drogenkonsum hin, sondern berauschen uns an den kulturellen Höhepunkten: Angkor Wat, Angkor Thom und Ta Prohm.
Normalerweise reist man nach Siem Reap, um einige Tage in den Tempeln zu verbringen. Wir waren erstmal vier Tage in Siem Reap, bis wir uns endlich aufgerafft haben, zumindest einen Tag in den Ruinen zu verbringen. Die Planung für den Besuch war unserer geistigen Veränderung angemessen: Immer entspannter.
Frühstücken genossen, Beschluss gefasst, Fahrer genommen und los gings. Mit 12$ war der Fahrer auch wirklich nicht teuer, man muss aber sagen, dass recht wenig Touristen hier sind. Dies kommt natürlich der Preisverhandlung wiederrum sehr entgegen.
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Übersicht der Tempelanlage |
Allerdings gab es schon einige Highlights, die wir sehr wohl zeigen wollen. Und, anscheinend lebte Alex schon vor 1000 Jahren, denn seine Geschichte war auch zu sehen...ins Stein gemeiselt...dazu aber später mehr.
Unsere Tempeltour haben wir mit Ta Prohm begonnen, den so mancher aus "Lara Croft" kennt. Das ist der Tempel, in dem unheimlich grosse Bäume aus allen möglichen und unmöglichen Ecken wachsen. Es kann hier nur ein Wort den Eindruck einigermassen wiedergeben: GIGANTSICH. Ja, das schreibe ich als Kulturbanause...es war wirklich gigantisch. In jeglicher Hinsicht.
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Micha in Ta Prohm |
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Micha ist rechts unten! |
Wenn man alles in allem rechnet, also die drei Haupttempel [auch wenn diese Beschreibung nicht ganz stimmt, es sei mir verziehen] kann man mit grob 20km² Fläche rechnen. Logischerweise ist man da froh, wenn man einen zuverlässigen TukTuk-Fahrer hat, der einen auch wirklich am Ausgang wieder abholt und ans nächste Ziel fährt.
So war es dann auch bei uns...zwei Stunden lang haben wir Ta Prohm laufend erkundet und wurden dann von unserem Fahrer nach Angkor Thom gefahren. Hier ist leider auch wieder so mancher Touristen-Irrsinn aufgebrochen: Während der Fahrt kommt man an einigen kleineren Tempeln, Brückenresten, etc. vorbei. Der Fahrer hält kurz an, Touristen (= wir) machen schnell ein Foto und weiter gehts. Natürlich haben und hatten wir keine Ahnung, was wir da fotografieren. Aber Hauptsache ein Foto von verfallenem, alten Stein. Seltsame Verhaltensweise.
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Bayon in Angkor Thom |
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"Turm" Bayon im Detail |
Diese Reliefe zeigen Alltagsszenen, Schlachten, etc. Aber, und das ist für mich interessanter: Anscheinend war ich schon mal in dieser Stadt....vor 1000 Jahren....als wichtiger, begehrter Mann. Unglaublich? Nein, das glaube ich nicht, denn ich habe den bebilderten Beweis:
Die Geschichte des Alex, eingemeiselt im Tempel von Bayon...
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Bild 1 |
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Bild 2:Nahaufnahme des Manns |
Wer immer noch nicht überzeugt ist, der betrachte einfach Bild 3. Ach ja, nebenbei mal ne Info: Wir hatten 40 Grad im Schatten und richtig Sonne. Deswegen kneife ich auch die Augen zu. Es komme mir hier keiner mit Altersfalten. Übrigens: Das Halstuch oder Krama ist der traditionelle Schal der Khmer. Den gibt es hier an jeder Ecke und ist bei Hitze Gold wert. Weiter dient er als Handtuch, als Staubtuch (Sandpisten!), Tragetasche und vieles mehr. Das ist wohl der beste und sinnvollste Kauf der ganzen Reise.
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Bild 4: Alex wird angebetet |
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Bild 3: Direkter Vergleich |
Wer die an den Haaren herbeigezogene Geschichte nicht als solche erkennt, der soll am besten eine ganze Pizza essen. Mit doppelt Gras....
Was für Ta Prohm gilt, gilt auch für Bayon...man kann die Größe, Lichtspiele und die Stimmung nicht in einem Bild erfassen. Das muss man gesehen haben. Aber, und das muss ich ehrlicherweise auch zugeben: Bayon war für mich nicht so beeindruckend wie Ta Prohm, der eben noch ein gewisses "Indiana Jones"- Feeling versprüht.
Nachdem wir unseren archäologischen Bedarf gestillt haben, ging es über die Terassen der Elefanten zurück zu unserem Fahrer. Nach geschlagenen drei Stunden....bei besagten 40 Grad...im Schatten...das war nicht ohne.
Letzter Anlaufpunkt, die Krönung: Das weltbekannte Angkor Wat.
Der Weg dahin wie gehabt: Rein ins Tuktuk, schön gequetscht, knatternd über die Sandpisten, Krama vor dem Mund, anhalten an diversen Steinhaufen, Fotos machen...bis wir zu Phnom Bakheng gekommen sind. Dieser Tempel steht auf einem Berg...den man erklimmen muss...durch den Dschungel....laufend auf einer Sandpiste...bei...yep....40 Grad. War aber nicht so schlimm wie gedacht, es war eher beeindruckend. Links und rechts des Weges grüner Wald, Affengeschrei, viele andere unbekannte Geräusche. Heiss, schwül...Dschungelfeeling.
Die Anstrengung wurde belohnt...siehe einfach das Bild:
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Im Hintergrund: Angkor Wat |
Aber, und jetzt kommt der Teil mit recht viel Spott:
Wichtige Begriffe aus dem Bauwesen sind unter anderem "Trittweite" und "Tritthöhe". Selbstverständlich waren diese Begriffe vor 1000 Jahren noch nicht bekannt, denn die Stufen zu den Tempel sind:
a.) Sehr hoch
b.) Sehr schmal
c.) Alles in allem sehr steil
Wir waren etwas abseits und wurden durch schweres Atmen aus unserem fast meditativem Zustand aufgeschreckt. Da wir die Dschungelszenerie unweit der Tempeltreppe beobachtet haben, wurden wir nun hautnah Zeuge eines "wunderbaren" Schauspiels.
Szene 1: Ein Paar, mitte 40, hat den Aufstieg zum Tempel auf sich genommen. Wir haben im Bericht gelernt: Es war richtig heiss und schwül.
Man konnte die Anstrengung der Bergbesteigung in beiden Gesichtern sehen, die so wunderbar purpur angelaufen waren. Sichtlich irritiert standen die beiden vor der sehr steilen Treppe...habe ich erwähnt, dass beide als sehr vollschlank zu bezeichnen sind?
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Ein Beispiel, aber eben nicht DIE Treppe...Steil, gelle...? |
Sie folgt....recht unsicher wird die Travellersandale plaziert. Zum Glück schützen die weissen, bis zum Knie gezogenen Tennissocken vor Hautabschürfungen, sollte man doch mal abrutschen. Geschafft, die erste Hälfte des ersten "Stockwerks" endlich geschafft.
Szene 3: Sie überholt ihn, er hat sichtlich Mühe. Man sieht, dass der Fuss keinen Platz auf der Treppe hat. Kein Wunder....die Trittweite ist nur 10cm...mit angerundeten Kanten. Man kann förmlich die Fingernägel wachsen hören, die nötig sind, um sich im Stein festzukrallen.
Szene 4: Sie hat das erste "Stockwerk" geschafft...er ist noch vier Stufen unter/ hinter ihr...sein Rucksack mit dem Proviant sieht aber auch wirklich schwer aus. Gleich wäre es geschafft....aber plötzlich verlässt ihn wohl die Kraft und er hängt in den bewährten 4-Punkt-Technik in der Treppe.
Szene 5: Einige Momente Ruhe...sie wird wohl ungeduldig und packt seinen Rucksack. Mit neuem Mut und geeinten Kräften klettert er die letzten Stufen nach oben. Halb gezogen, halb aus eigener Kraft, schafft er es die Ellenbogen auf das Zwischenplateau zu legen. Sie zieht am Rucksack, legt dadurch den Blick auf seinen nun nicht mehr komplett bedeckten Hintern frei. Parallel dazu rutscht er ab und schlägt nun wie ein wildes Pferd nach hinten aus, hoffend, doch irgendwo einen hilfreichen Widerstand zu finden. Es sieht nicht elegant aus...doch mit viel Kraft schafft er es, sich bäuchlings auf das Zwischenplateau zu ziehen. Geschafft, endlich....das erste von DREI Stockwerken geschafft.
So, Frage an die Runde: Klettert er weiter? Setzt die Vernunft ein?
Antwort: Nein, es setzte keine Vernunft ein. Wir haben den Abstieg nicht mehr gesehen, aber manchmal muss man wirklich nur noch den Kopf schütteln. Einen Moment weitergedacht: Man rutscht auf einer sandigen Stufe aus und fällt? Mit viel Glück bricht man sich nur einen Arm oder Fuss und nicht das Genick. Dann liegt man da, auf einem Berg....in Kambodscha, völlig erschöpft und voller Schmerz. War es das dann wert?
Wie auch immer...wir kamen wieder gut an unser TukTuk und setzten zum letzten Teil der Tagesreise an: Angkor Wat war das Ziel.
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Eingang zu Angkor Wat |
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Mönch in Angkor Wat |
Leider mussten auch wir so langsam der Hitze Tribut zollen: Die Treppenstufen wurden zu Qual und auch die Kamera hat etwa ab der Mitte des Besuchs den Dienst quittiert. So haben wir Angkor Wat wahrlich geniessen können....ohne Blick durchs Objektiv.
Viele Grüsse
AL und MI
Kleine Korrektur der Lektorin:
AntwortenLöschenIch wusste sehr wohl was ich da fotografiere, hab mich ja auch im Vorfeld sehr gut informiert. (ob ich das aber in nem Monat noch weiß ohne nachzusehen bleibt fraglich ;-)...)